Eslohe ist Station auf dem neuen Jakobsweg von der Elbe zum Rhein

Eslohe liegt jetzt am neuen Jakobsweg durch das Sauerland

 

Eine neue Jakobsroute führt quer durch das Sauerland und berührt dabei Eslohe. In der alten Hansestadt Magdeburg an der Elbe beginnt der Weg und führt über Paderborn nach Köln/Bonn an den Rhein. Die neue Route verbindet im Sauerland die alten Handelsstädte Meschede, Eslohe, Elspe, Attendorn, Marienheide und Lindlar mit Köln und Bonn. Die Pilger aus dem Norden und Osten folgten im Sauerland den alten Fernhandelsstraßen der Hanse der der Heiden­straße. Funde von Pilger­muscheln auf Friedhöfen, Pilger­zeichen, sowie Jakobskirchen und –kapellen mit Jakobusfiguren geben Hinweise darauf, dass viele Orte im Sauerland einst Etappenorte für die Jakobspilger waren.

 

Eine besonders schöne Etappe des Jakobsweges führt von Meschede bis Eslohe (20 km). Bei der alten Klause auf dem Michaelsberg folgt man dem Wanderweg X 22 durch eine Birkenallee und steigt dann hinunter bis zum Hennesee, an dessen Ufern Bänke zu einer Rast einladen. Beim Anstieg nach Oesterberge macht man Bekanntschaft mit der Mittelgebirgslandschaft des Hochsauerlandes und auf dem höchsten Punkt bietet sich ein einmaliger Fernblick auf das „Land der tausend Berge“. Nach dem Abstieg nach Wenholthausen, dessen Eibelkapelle noch aus karolingischer Zeit stammt, führt der Weg nach Niedereslohe an der Isidorkapelle vorbei durch den Park nach Eslohe.

 

Der heutige Luftkurort Eslohe liegt geschützt zwischen dem Lennegebirge und dem Naturpark Homert in den hübschen Lindengrund des Esselbachtales eingebettet. In einer Urkunde von 1072 anlässlich der Gründung des Klosters Grafschaft durch den Kölner Erzbischof Anno wird er erstmalig als „Heslipho“ erwähnt. Im alten Ortsteil können die heutigen Jakobspilger noch zahlreiche Fachwerkhäuser mit sehenswerten Giebeln zu bewundern, wie den Forellenhof Poggel, das Papehaus oder die Domschänke, die jeden Besucher wegen ihres ein mittelalterlichen Flairs begeistern. Die barocke St. Nepomuk-Figur auf der gleichnamigen Brücke begrüßt die heutigen Pilger auf ihrem langen Weg nach Santiago de Compostela. Die heutige Pfarrkirche St. Peter und Paul wurde vom Rüthener Baumeister Ignadus Gehly zwischen 1775 und 1883 errichtet. Eine interessante Krypta und schöne alte Grabsteine, die rund um die Kirche aufgestellt sind, geben diesem Platz eine besondere Note. Von der Pfarrkirche führt ein Kreuzweg zur hochgelegenen St. Rochuskapelle, der von Wegstationen aus Sandstein und alten Bäumen gesäumt wird. Wer zu dieser Rundkapelle hinauf pilgert kann den Heiligen Rochus als Jakobspilger sehen. Diese Gelöbnis-Kapelle wurde 1637 während der Pestzeit im Dreißigjährigen Krieg errichtet.

 

Wenn die heutige Jakobspilger Eslohe wieder verlassen, steuern sie auf dem neuen Jakobsweg als nächstes Ziel den Ort Elspe an, der mit seiner St. Jakobuskirche ebenfalls auf eine lange Jakobustradition zurückblickt. Auf dem Weg dorthin kann man im nahen Umkreis noch viele Spuren der früheren Jakobspilger entdecken. So kommt man zum Beispiel auf dem Weg durch das Esselbachtal im nahen Bremscheid zu einer malerischen Wegkapelle, die dem Pilgerheiligen St. Jakobus geweiht ist. Schon 1530 befand sich hier an der Einmündung des Heerweges ein Rittersitz. Seine Besitzer haben trotz Zerstörungen und Kriegswirren die Jakobs-Kapelle, in der eine barocke Jakobusstatue in Pilgertracht steht, nicht untergehen lassen.

 

Wie man den Spuren der Pilger im Sauerland zu Fuß folgen kann beschreibt der Wanderreiseführer „Wege der Jakobspilger (Band 1) von Dr. Walter Töpner. Darin schreibt er: „Kostbarster Besitz des Sauerlands sind die Formenvielfalt und Unberührtheit seiner Naturlandschaften.“ Zur Erhaltung dieser Merkmale wurden glücklicher­weise große Flächen des Sauerlandes als Naturparke ausgewiesen, die den Weg heute für jeden Jakobspilger zum Genuß werden lassen. Blitzblanke Ortschaften im Land der tausend Berge mit alten Fachwerkhäusern, die schmucke Giebel und geschnitzten Spruchbalken tragen, heißen überall Pilger und Wanderer willkommen. Der Aufenthalt in einem der zahlreichen Landgasthöfe, wo man in holzgetäfelten Wirtsstuben wie in Eslohe seine ausgetrocknete Pilgerkehle mit selbstgebrautem Bier löschen und die Sauerländer Gastlichkeit und Gemütlichkeit behaglich genießen kann, zählen zu den schönen Erlebnissen auf dem Jakobsweg durch das Sauerland. Spätestens hier weiß man, dass Leib und Seele zusammen gehören.

 

Wer in Eslohe geweilt hat, möchte gerne länger hier bleiben und das schöne Ambiente genießen. Aber der Ruf, ins 2600km entfernte Santiago de Compostela zu ziehen, ist vorerst stärker. In jedem Fall bleibt aber der Weg durch das Sauerland für jeden Jakobspilger ein bleibendes Erlebnis. Und wer weiß, vielleicht wird mancher Jakobspilger, wenn er genügend gepilgert ist, gerne wieder hierher zurückkommen.

 

Entnommen aus: Walter Töpner, Wege der Jakobspilger (Band 1) - Magdeburger Börde, Harz, Solling, Sauerland, Rheinland, Paulinus Verlag, Trier mit zahlreichen farbigen Abbildungen, ISBN 3-7902-1316-0, € 19,90

Fotoimpressionen von Dr. Walter Töpner